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Wird unser Kind gesund sein? – Was ist pränatale Diagnostik? – Was können wir wissen? Welche Untersuchungen gibt es? – Was sollten wir wissen? – Was wollen wir wissen? – Was kommt nach der Diagnostik? – Guter Hoffnung sein – Beratung und Hilfe


>> Erklärungen für Fachbegriffe finden Sie hier



Pränatale Diagnostik – Vorgeburtliche Untersuchungen Ihres Kindes

Sie sind in der 7. Woche schwanger und Ihr Arzt fragt Sie, ob Sie einen Erst-Trimester-Test machen wollen. – Sie sind 37 Jahre alt und fragen sich, ob Sie eine Fruchtwasseruntersuchung machen sollen. – Die Nackenfaltenmessung in der 11. Woche zeigt Auffälligkeiten und Sie sind beunruhigt.

Mit solchen und ähnlichen Fragen sind viele schwangere Frauen beschäftigt. Im Rahmen der Schwangerenvorsorge bietet Ihre Ärztin/Ihr Arzt spezielle Untersuchungen an, die nach Störungen und Fehlbildungen beim Ungeborenen suchen. Dieses Angebot bringt es mit sich, dass Sie heute bereits in der frühen Schwangerschaft Entscheidungen treffen müssen. Sie müssen die Möglichkeiten der vorgeburtlichen Untersuchungen und ihre Risiken, Grenzen und Konsequenzen für sich beziehungsweise gemeinsam als Eltern abwägen. Die folgenden Informationen sollen Ihnen dabei helfen. Darüber hinaus können Sie – gerne gemeinsam mit Ihrem Partner – eine für Sie kostenfreie, unabhängige Beratung in Anspruch nehmen, bei der Sie weitere Informationen und Unterstützung im Entscheidungsprozess bekommen.

Wird unser Kind gesund sein? – Diese Frage beschäftigt alle werdenden Eltern und Sie haben den Wunsch, dies von Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme bestätigt zu bekommen.

Der überwiegende Teil aller Kinder (etwa 95 Prozent) wird gesund geboren. Der weitaus größte Teil aller Behinderungen ist nicht angeboren, sondern wird im Verlauf des Lebens erworben. Nur ein kleiner Teil der Behinderungen, die von Anfang an da sind, ist vor der Geburt zu erkennen, nur ein Bruchteil davon ist vorgeburtlich therapierbar. Die meisten Behinderungen, mit denen Babys geboren werden, entstehen während der Geburt, vor allem durch die Folgen einer Frühgeburt. Über die schwersten Fehlbildungen entscheidet die Natur selbst durch Fehlgeburt.

Die Möglichkeiten der vorgeburtlichen Diagnostik scheinen Sicherheit in dieser letztlich unsicheren Frage zu versprechen. Es kann beruhigend sein, etwas über die Gesundheit des ungeborenen Kindes zu erfahren. Andererseits können vorgeburtliche Untersuchungen aber auch Ängste und Konflikte auslösen. Das Angebot der pränatalen Diagnostik stellt Sie bereits durch die Ultraschalluntersuchung schon in der frühen Schwangerschaft vor Entscheidungen, die unter Umständen weitreichende Konsequenzen haben können. Viele Eltern fühlen sich mit dieser Auseinandersetzung überfordert, weil sie sich einerseits Sicherheit wünschen, andererseits aber keine Risiken eingehen wollen, weil sie es als belastend empfinden, über Konsequenzen nachzudenken oder weil sie einfach nur guter Hoffnung sein wollen. Um eine wohlüberlegte Entscheidung darüber zu treffen, ob und welche Angebote Sie nutzen wollen, ist es ratsam, sich rechtzeitig und umfassend über die Möglichkeiten und Grenzen der pränatalen Diagnostik zu informieren.

Was ist pränatale Diagnostik?
Pränatale Diagnostik sucht nach bestimmten Erkrankungen und Fehlbildungen beim Ungeborenen. Zu den Untersuchungen gehören der Ultraschall, Verfahren zur Risikoeinschätzung, Untersuchungen des mütterlichen Blutes und die genetische Diagnostik von kindlichen Zellen. Mit vorgeburtlicher Diagnostik können längst nicht alle Erkrankungen und Fehlbildungen diagnostiziert werden. Es können also immer nur begrenzte Aussagen gemacht werden. Die Untersuchungsmethoden beziehen sich auf die häufigsten Erkrankungen und Fehlbildungen oder auf bestimmte in einer Familie vorkommende Erbkrankheiten. Im Zentrum der Untersuchungen steht die Suche nach dem Down-Syndrom.

Wie viel können wir wissen?
Pränatale Diagnostik ist keine Garantie für ein gesundes Kind. Alle Diagnosemöglichkeiten können nur begrenzte Aussagen machen. Deshalb kann auch ein unauffälliges Ergebnis nur bestimmte Bereiche abdecken und keine letztliche Sicherheit geben.
Untersuchungen im ersten Schwangerschaftsdrittel wie der Ersttrimester-Test (11.- 13. Schwangerschaftswoche) und das Nackenfaltenscreening (12.- 14. Schwangerschaftswoche) ermitteln Auffälligkeiten im Ultraschall und Daten für Risikoberechnungen. In erster Linie geht es dabei um das Risiko, ein Kind mit Down-Syndrom zu bekommen. Die Ergebnisse können aber keine konkrete Aussage über die Gesundheit Ihres Kindes oder tatsächliche Fehlbildungen machen, sondern ermitteln Risikoeinschätzungen, also Wahrscheinlichkeiten. Untersuchungen des mütterlichen Blutes – wie der Triple-Test – ermitteln sehr ungenaue Risikoangaben.

Sichere Aussagen über genetische Erkrankungen oder Neuralrohrdefekte wie einen offenen Rücken können nur invasive Untersuchungen machen, die kindliche Zellen untersuchen. Dazu zählen die Chorionzottenbiopsie (10.-12. Schwangerschaftswoche), die Amniozentese (14.-20. Schwangerschaftswoche) oder die nur bei bestimmtem Verdacht eingesetzte Nabelschnurpunktion (ab der 16. Schwangerschaftswoche). Die Ergebnisse dieser Untersuchungen können Aussagen über eine begrenzte Zahl genetischer Abweichungen und anderer auffälliger Befunde geben, wie etwa seltene Erbkrankheiten, Muskel-, Blut- und Stoffwechselerkrankungen. Invasive Untersuchungen sind immer mit einem – unterschiedlich hohen - Fehlgeburtsrisiko verbunden.

Welche Untersuchungen gibt es?
Ultraschall – Verfahren zur Risikoeinschätzung: Nackenfaltenmessung – Ersttrimester-Test – Triple-Test – Amniozentese – Chorionzottenbiopsie

Vorgeburtliche Diagnostik umfasst eine Reihe von unterschiedlichen Untersuchungsmethoden. Es gibt so genannte nicht-invasive – nicht in den Mutterleib eindringende – Untersuchungen wie den Ultraschall, das Nackenfaltenscreening, den Ersttrimester-Test und Untersuchungen des mütterlichen Blutes wie den Triple-Test.
Daneben gibt es so genannte invasive – in den Mutterleib eindringende – Untersuchungen wie die Chorionzottenbiopsie und die Amniozentese. Weniger häufig eingesetzt wird die Nabelschnurpunktion. Alle invasiven Untersuchungen sind mit einem – unterschiedlich hohen – Fehlgeburtsrisiko verbunden.

Ultraschall
Zur ärztlichen Schwangerenvorsorge gehören drei Ultraschalluntersuchungen. Sie werden zwischen der 9. und der 12. Schwangerschaftswoche, der 19.und 22. und zwischen der 29.und 32. Schwangerschaftswoche vorgenommen. Mit dem Ultraschall können Aussagen über die Entwicklung der Schwangerschaft selbst gemacht werden (zeitgerechtes Wachstum, Geburtstermin, Lage der Plazenta, Versorgung des Kindes), sowie Angaben über die Gestalt und Organe des Kindes. Wie genau die Ergebnisse sind, ist abhängig von der Erfahrung des Durchführenden und der Qualität des Geräts, von der Fehlbildung, nach der gesucht wird und von der Zeit, die für die Untersuchung zur Verfügung steht. Der Ultraschall ist eine Mischform aus Schwangerschaftsüberwachung und vorgeburtlicher Diagnostik. Für viele Eltern ist es sehr bewegend, ihr Kind mittels Ultraschall zu sehen. Gleichzeitig können Auffälligkeiten, unklare oder falsch-positive Befunde (ein Verdacht, der sich später als falsch erweist) Eltern sehr verunsichern und ängstigen. Vergessen Sie deshalb bei aller Freude über das Bild von Ihrem Kind nicht, dass Ultraschall nicht nur „Babyfernsehen“ ist, sondern dass es dabei auch um die Suche nach Auffälligkeiten geht.
Bei der Ultraschalluntersuchung zwischen der 9. und 12. Schwangerschaftswoche geht es um die richtige Einnistung des Embryos, die Bestimmung des Geburtstermins und die Messung der Nackenfalte. Beim Ultraschall zwischen der 19. und 22. Woche, dem so genannten „Fehlbildungsultraschall“ werden die kindlichen Maße ermittelt, um eine zeitgerechte Entwicklung oder eine Entwicklungsstörung festzustellen. Außerdem werden die kindlichen Organe wie Gehirn, Herz, Leber, Nieren, Zwerchfell und Harnblase angeschaut und es wird nach möglichen Auffälligkeiten gesucht, die Hinweise auf Fehlbildungen sein können. Beim dritten Ultraschall zwischen der 29.und 32. Schwangerschaftswoche geht es neben der Kontrolle der kindlichen Entwicklung um die Lage des Kindes, sowie dem Sitz und der Funktionsfähigkeit der Plazenta. Ein Spezialfall der Ultraschalluntersuchung ist die Dopplersonografie, die zur Untersuchung der Plazenta-Durchblutung eingesetzt wird. Sie sollte jedoch nur eingesetzt werden, wenn ein begründeter Verdacht für eine Mangelentwicklung besteht.
Deutschland ist übrigens das Land, in dem weltweit die meisten Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft gemacht werden. Studien zeigen, dass die Gesundheit von Müttern und Kindern rund um die Geburt bei uns nicht besser ist als in Ländern wie Dänemark und der Schweiz, wo es keinen Routineultraschall gibt.

Verfahren zur Risikoeinschätzung
Nackenfaltenmessung – Erst-Trimester-Test – Triple-Test – Was ist ein Risiko?

In Kombination mit dem Ultraschall gibt es Untersuchungsmethoden, die die beim Ultraschall gemessenen Werte mit anderen Angaben wie dem Alter der Mutter, Schwangerschaftsdauer und bestimmten Blutwerten kombinieren und auf dieser Grundlage mit Hilfe statistischer Methoden Computerprogramms eine Risikoberechnung vornehmen. In erster Linie geht es dabei um das Risiko, ein Kind mit Down-Syndrom zu bekommen. Alle Verfahren zur Risikoeinschätzung können keine sicheren Ergebnisse liefern. Mit diesen Verfahren können lediglich Wahrscheinlichkeiten berechnet werden. Sie können Ihnen aber nicht sagen, ob Ihr Kind behindert sein wird oder nicht.

Nackenfaltenmessung
Bei dieser Untersuchung in der 11.-14. Woche wird die so genannte Nackenfalte des Ungeborenen gemessen. Es handelt sich dabei um eine Wasseransammlung im Bereich des Nackens, die nur zu einem bestimmten Zeitpunkt der Schwangerschaft zu sehen ist. Wenn hierbei ein bestimmter Wert – es geht dabei um Millimeter – überschritten wird, erfolgt die Überweisung an eine Spezialistin /einen Spezialisten. Nach einer nochmaligen Messung und unter Hinzunahme des Alters der Frau, der Größe des Kindes und des Schwangerschaftsalters wird dann mit Hilfe eines Computerprogramms ein statistische Risikoeinschätzung für ein mögliches Down-Syndrom, eine andere genetisch bedingte Erkrankung oder einen Herzfehler vorgenommen.

Ersttrimester-Test
Auch dieser Test in der 11.-13. Woche beruht auf der Nackenfaltenmessung. Hier werden zusätzlich zu den kindlichen Werten und dem Alter der Frau noch Werte aus dem mütterlichen Blut in die Risikoberechnung miteinbezogen. Diese Untersuchung kann nur in bestimmten Praxen mit einer Zertifizierung (einer besonderen Qualitätsstufe) vorgenommen werden.

Triple-Test
Bei diesem Test, der in der 16.-18.Woche vorgenommen werden kann, beruht die Risikoeinschätzung auf Werten aus dem Blut der Mutter, der Schwangerschaftsdauer, dem Alter und Gewicht der Frau. Die statistische Risikoeinschätzung bezieht sich auf das Down-Syndrom, und andere Chromosomenabweichungen und Neuralrohrdefekte (z.B. einen offenen Rücken). Da dieser Test sehr ungenau ist und viele falsche „auffällige“ Werte - so genannte falsch-positive Werte - ermittelt, wird er von führenden PränataldiagnostikerInnen nicht mehr empfohlen.

Was ist ein Risiko?
Individuelle Risikoeinschätzungen sind keine Diagnosen! Alle Untersuchungen zur Risikoeinschätzung sagen daher nichts über tatsächliche Fehlbildungen oder Erkrankungen sondern sie beruhen auf Wahrscheinlichkeiten. Das bedeutet, z.B.: ein altersspezifisches Risiko für ein Down-Syndrom kann sich durch diese Methoden erhöhen oder erniedrigen – aber auch, wenn dies als „individuelle Risikoberechnung“ definiert wird, handelt es sich dabei immer nur um eine Einschätzung. Auffällige Werte können verunsichern und führen oft zu weiteren Untersuchungen, die evtl. mit größeren Risiken verbunden sind - obwohl möglicherweise tatsächlich gar keine Auffälligkeit vorliegt. Der Umgang mit Risikoziffern ist hoch emotional und es kommt sehr auf die Perspektive an, die dabei eingenommen wird. Ein und dasselbe Risiko wird von verschiedenen Personen immer verschieden interpretiert werden. Hilfreich ist es dabei, sich vor Augen zu führen, wie groß die Chance ist, ein gesundes Baby zu bekommen.


Chorionzottenbiopsie
Bei der Chorionzottenbiopsie, die in der 10.-13. Schwangerschaftswoche durchgeführt wird, wird unter Ultraschallsicht eine Hohlnadel durch die Bauchdecke der Frau in die sich entwickelnde Plazenta geführt. Mit einer Spritze wird Gewebe entnommen. Die gewonnenen Zellen werden im Labor untersucht. Erste Ergebnisse liegen nach 2-3 Tagen vor, das endgültige Ergebnis nach 14 Tagen. Bei dieser Untersuchung können Chromosomenabweichungen, nicht aber Neuralrohrdefekte (wie ein offener Rücken) ermittelt werden. Nach einer gezielten DNA-Analyse können bestimmte vererbbare Krankheiten und Behinderungen wie Muskel- und Stoffwechselerkrankungen festgestellt werden. Vorteil dieser Methode ist, dass sie so früh eingesetzt werden kann, so dass ein Schwangerschaftsabbruch noch im ersten Schwangerschaftsdrittel vorgenommen werden kann. Nachteile sind ein erhöhtes eingriffsbedingtes Fehlgeburtsrisiko (zwischen 1-4 %) und mehr unklare Befunde als bei der Amniozentese, so dass Wiederholungen oder weitere Diagnostik notwendig werden können. Außerdem sind Schmerzen und Blutungen nach dem Eingriff möglich. Auch ein unauffälliges Ergebnis ist keine Garantie für ein gesundes Kind.

Amniozentese
Die Fruchtwasseruntersuchung wird zwischen der 14. und 20. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Sie ist aber auch schon – bei allerdings größerem Fehlgeburtsrisiko - nach der 12. Woche möglich. Hierbei wird unter Ultraschallsicht mit einer Hohlnadel durch die Bauchdecke der Frau etwa 15-20 ml Fruchtwasser entnommen. Im Fruchtwasser schwimmen abgelöste Zellen des Ungeborenen. Diese Zellen werden dann im Labor weiter kultiviert. Dann werden die darin enthaltenen Chromosomen werden untersucht. Mit dieser Untersuchung können Chromosomenstörungen diagnostiziert werden. Außerdem sind zusätzliche Untersuchungen möglich wie die Diagnose von Neuralrohrdefekten (z.B. offener Rücken) und die Diagnose von vererbbaren Krankheiten und Behinderungen wie Muskel- und Stoffwechselerkrankungen. Das Ergebnis liegt nach 2 Wochen vor. Mit Hilfe eines Schnelltests, des so genannten Fish-Tests, können bestimmte Chromosomen gesondert untersucht werden. Dieses Ergebnis liegt bereits nach 2 Tagen vor, sollte aber immer überprüft werden. Der Vorteil der Fruchtwasseruntersuchung ist, dass mit dieser Methode eine ganze Reihe von Störungen entdeckt werden können. Herzfehler oder Organfehlbildungen können jedoch nicht entdeckt werden. Nachteil der Methode ist das Fehlgeburtsrisiko, das mit 05,-1% angegeben wird und die lange Wartezeit auf den Befund, die viele Frauen als belastend erleben. Außerdem können Wehen und leichte Blutungen auftreten. Es können nur bedingt Aussagen über den Schwergrad einer Störung gemacht werden. Bei auffälligen Befunden gibt es meist keine Therapie. Auch bei dieser Untersuchung ist ein unauffälliges Ergebnis keine Garantie für ein gesundes Kind.

Was sollten wir bedenken?
Pränatale Diagnostik kann Ihr Gefühl der Sicherheit erhöhen. Es kann beruhigen zu wissen, dass die Ergebnisse der Untersuchungen unauffällig sind – vor allem, wenn in Ihrer Familie eine genetische Erkrankung vorliegt oder wenn Sie schon ein Kind verloren haben. Die Diagnostik kann Sie aber auch verunsichern und die Beziehung zum Kind belasten, zum Beispiel durch Auffälligkeiten im Ultraschall, „schlechte“ Zahlen bei Risikoeinschätzungen oder unklare Befunde. In solchen Fällen wird von ärztlicher Seite meist eine weitere Diagnostik, wie z.B. eine Amniozentese zur Abklärung empfohlen. Die Wartezeit (etwa 14 Tage) auf das Ergebnis dieser Untersuchung - die mit einem Fehlgeburtsrisiko verbunden ist - kann sehr belasten, denn in dieser Zeit spüren viele Frauen schon die ersten Kindsbewegungen. Sie müssen wissen, dass eine Untersuchung weitere Diagnostik nach sich ziehen kann.

Die Möglichkeiten der Pränatalen Diagnostik sind begrenzt. Bestimmte Untersuchungsmethoden wie z.B. der Triple-Test haben eine hohe Rate „falsch-positiver“ Befunde. So werden viele Frauen beunruhigt obwohl ihre Kinder ganz gesund sind. Ebenso ist ein hoher Prozentsatz der Kinder mit einer vergrößerten Nackenfalte völlig gesund. Umgekehrt sind unauffällige Ergebnisse vorgeburtlicher Untersuchungen keine Garantie für ein gesundes Kind, denn es werden immer nur bestimmte Aspekte untersucht. Zu bedenken ist auch, dass Pränataldiagnostik zwar einige Krankheiten entdecken, jedoch nur ganz wenige behandeln kann. Die Diagnose einer Erkrankung oder Abweichung sagt nichts über den Schweregrad und den individuellen Verlauf einer Erkrankung oder Behinderung aus.


Wieviel wollen wir wissen?
Pränatale Diagnostik bedeutet, dass Sie entscheiden können, aber auch müssen. Sie werden sich in dieser Situation vielleicht fragen: Wieviel möchten wir über unser ungeborenes Kind wissen? Sind wir bereit, das Risiko einer Fehlgeburt einzugehen? Wie würden wir damit umgehen, wenn bei unserem Kind eine Erkrankung oder Abweichung festgestellt würde? Können wir uns vorstellen, die Schwangerschaft abzubrechen?
Wenn Sie sich frühzeitig über die Möglichkeiten, Grenzen und Risiken dieser Untersuchungen informieren, werden Sie Ihre eigene Haltung finden. Vertrauen Sie dabei auch Ihrer Intuition! Bei allen Überlegungen sollte Ihnen bewusst sein: Sie haben ein Recht auf Nichtwissen! Wenn Sie sich darüber klar sind, dass ein Schwangerschaftsabbruch für Sie nicht in Frage kommt, müssen Sie sich mit bestimmen Untersuchungsmethoden nicht auseinandersetzen. Wenn Sie keine Pränatale Diagnostik möchten, bedeutet das nicht in jedem Fall, gar keinen Ultraschall durchführen zulassen. Bei Auffälligkeiten im Schwangerschaftsverlauf kann eine Ultraschalluntersuchung sehr hilfreich sein.

Unter Umständen kann es sinnvoll sein, vorher etwas über die Gesundheit oder eine Erkrankung des Kindes zu wissen, weil es die Wahl der Geburtsform bestimmt. So ist es bei bestimmten körperlichen Behinderungen, wie z.B. einer Spina bifida, sinnvoll, durch Kaiserschnitt zu entbinden, um das Kind nicht zusätzlich zu belasten. Manche Eltern, deren Kinder nur für kurze Zeit lebensfähig waren, berichten, dass es für sie hilfreich war, sich vorher auf diese Situation einstellen zu können.


Was kommt nach der Diagnostik?
Nur die wenigsten Krankheiten, die durch vorgeburtliche Untersuchungen festgestellt werden, können behandelt werden (z.B. bestimmte körperliche Fehlbildungen wie Herzfehler oder eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte). Bei der Diagnose einer schweren Erkrankung oder Fehlbildung befinden sich Frauen und Paare in einem äußerst belastenden Konflikt. Sie müssen über Leben und Tod ihres ungeborenen Kindes entscheiden. Der späte Schwangerschaftsabbruch, die vorzeitig eingeleitete Geburt eines Wunschkindes, ist ein seelisch und körperlich sehr schmerzhafter Prozess, der meist mit einem tiefen Trauerprozess verbunden ist. Lassen Sie sich Zeit für Ihre Entscheidung und holen Sie sich Hilfe. Besonders in diesen schweren Konflikten ist Beratung und Unterstützung durch Fachleute hilfreich. Hier bekommen Sie Hilfe und Beistand – egal, wie Sie sich entscheiden.

Wenn bei Ihrem Kind eine Behinderung festgestellt wurde, mit der es außerhalb des Mutterleibes nicht leben kann, müssen Sie die Schwangerschaft nicht abbrechen. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihr Kind auszutragen, so dass nicht Sie sondern die Natur selbst entscheidet, wann sein Leben zu Ende ist. Auch für diesen Fall gibt es Hebammen, die Ihnen zur Seite stehen und Kliniken, die Sie in Ihrem Entschluss unterstützen.

Guter Hoffnung sein
Bei der Entscheidung für oder gegen pränatale Diagnostik sind Sie mit ihrer persönlichen Situation, ihren Zweifeln und Ängsten beschäftigt. Die vorgeburtliche Diagnostik ist aber auch ein Problem unserer Gesellschaft. Der Glaube, dass ein gesundes Kind machbar sei, fördert eine Haltung, die bestimmte Formen des Lebens ausgrenzt, weil sie nicht mehr „zumutbar“ seien. Unsere Gesellschaft, die ein behindertes Kind per Gericht zum „Schadensfall“ erklärt, bürdet die Verantwortung dafür Eltern und Experten auf. Schwangere Frauen erleben heute einen großen gesellschaftlichen Druck, um jeden Preis ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. In einem maßgeblich durch Medizintechnologie und Machbarkeit geprägten Denken ist Schwangerschaft nicht mehr eine natürliche Lebensphase, sondern ein Risikozustand, der nur durch ständige Überwachung und Kontrolle zu bewältigen ist. Vergessen wird dabei, dass Leben an sich ein „Risiko“ ist. Es ist ein Element von Lebendigkeit, dass unser Leben nur sehr begrenzt planbar und vorhersagbar ist.

Die Auseinandersetzung mit Pränataler Diagnostik bedeutet die Klärung der eigenen Lebenshaltung und die Bereitschaft, Verantwortung für die persönliche Entscheidung zu übernehmen. Sie berührt gleichzeitig eine Grundbedingung des menschlichen Daseins: Ungewissheit gehört zur Schwangerschaft ebenso wie zum gesamten menschlichen Leben. Deshalb ist es auch heute nicht altmodisch, Schwangerschaft als eine Zeit der „guten Hoffnung“ zu sehen und zu erleben. Unser Anliegen ist es, Ihre „gute Hoffnung“ zu stärken.

Beratung und Hilfe
Die Entscheidung für oder gegen Pränatale Diagnostik treffen Sie für sich bzw. mit Ihrem Partner. Information, Gespräche und Beratung können hilfreich sein, um die eigene Haltung zu klären oder auch um über unterschiedliche Gefühle zwischen den Partnern zu sprechen. Neben dem aufklärende ärztlichen Gespräch, das sich meist auf die medizinisch-technischen Aspekte und ihre Risiken konzentriert, bieten Hebammen und Beratungsstellen Beratung und Gespräche an, in denen Zeit und Raum ist für weitere Informationen und Gefühle wie Unsicherheit, Ängste und Zweifel. Wenn Sie sich bereits in einem schweren Konflikt befinden oder wenn Sie wissen, dass Sie Ihr krankes oder behindertes Kind bekommen werden, können Beratungseinrichtungen und Hebammen Ihnen Auskunft geben über spezielle medizinische und soziale Einrichtungen und entsprechende Kontakte herstellen.

Wenn Sie Beratung und Hilfe zu Pränataler Diagnostik durch eine Hebamme wünschen, wenden Sie sich bitte direkt an den Hamburger Hebammen Verband oder direkt an Dr. Angelica Ensel (Tel. 040-392878).

(c) Dr. Angelica Ensel










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